Mass und Mitte | Cosmopolis

Was wir am 12. März zu dem Thema geschrieben haben, gilt nach wie vor: In der Coronakrise gilt es Mass und Mitte zu bewahren. Hysterie, Panikmache bringt nichts. Im Gegenteil.

Müssen wir alle sterben? Ja! Wirklich alle, ohne Ausnahme? Ja! Der Tod gehört zum Leben. Doch wir werden nicht alle Opfer des Coronvirus werden. Jährlich sterben weltweit eine halbe Million bis eine Million Menschen an der Grippe. Sowohl in Frankreich wie in Italien sterben jährlich 8000 bis 12000 Menschen jährlich an der Grippe. Niemand gerät darüber in Panik. Im Kampf gegen die Grippe gibt es sogar Impfstoffe, und trotzdem sterben so viele Menschen. Und dennoch gibt es keine Hysterie. Wir haben gelernt, damit zu leben.

Im Kampf gegen Covid-19 gilt es, Ruhe zu bewahren und nicht in kontraproduktiven Aktionismus zu verfallen. Die Grenzen Deutschlands zu schliessen bringt nichts. Das Coronavirus ist bereits da. Ausländer sind nicht gefährlichere Virenträger als Deutsche. Grenzschliessungen behindern nur die Wirtschaft. Lieferketten werden unterbrochen oder zumindest beeinträchtigt. Menschen müssen weiterhin reisen können. Europaweit. Weltweit.

Natürlich müssen wir strikte Regeln einhalten wie rund 2 Meter Distanz zu Mitmenschen halten, oft die Hände waschen, auf Umarmungen und Händeschütteln selbst unter Freunden und Bekannten verzichten. Natürlich sollten Schutzmasken nicht nur für alle im Gesundheitswesen tätigen Menschen auf Teufel komm raus produziert werden, sondern zudem für alle im Supermarkt Tätigen sowie für all ihre Kunden, ja schlicht und ergreifend für alle Menschen. In öffentlichen Verkehrsmitteln muss auf Abstand und, wo nötig, auf Schutzmasken gesetzt werden. Zudem müssen Coronavirus-Schnelltests für alle produziert und durchgesetzt werden. Es ist wichtig zu wissen, wer hat das Virus und wer nicht, weil gerade viele Infizierte – nicht zuletzt Kinder – nur milde oder gar keine Symptome zeigen und so das Virus unabsichtlich weiterverbreiten. Impfstoffe, Medikamente müssen so schnell wie möglich entwickelt werden. Wer das Virus überstanden hat, ist höchst wahrscheinlich immun, kann es nicht weiterverbreiten, und daher bei der Pflege von Alten und anderen Risikogruppen risikolos eingesetzt werden. Laut Epidemologen ist eine Gesellschaft vor einem Neuausbruch der Epidemie erst geschützt, wenn 60% bis 70% der Bevölkerung das Virus hatten. Es geht darum, die Verbreitung von Covid-19 zu bremsen bis ein Impfstoff da ist, was noch viele Monate dauern kann. Gegen das Virus wirksame, bereits existierende Medikamente müssen ausfindig gemacht werden. Unser Gesundheitssystem darf nicht überfordert werden. Nicht Grenzschliessungen, sondern internationale Zusammarbeit sind gefragt. All das ist längst bekannt.

Doch wir können nicht weiterhin wochen- oder gar monatelang die Wirtschaft weitgehend lahmlegen. Die Folgen werden eine Rezession, vielleicht gar eine Depression, eine Weltwirtschaftskrise von ungeahnten Dimensionen sein. Die politischen Folgen wären verhehrend.

Der Staat kann nicht monatelang allen Menschen Geld (des Steuerzahlers) in die Hand drücken, damit sie untätig zuhause bleiben. Wo immer möglich, muss weitergearbeitet werden, wobei alle Vorsichtsmassnahmen wie 2 Meter Abstand, Hände waschen, Masken tragen, etc. eingehalten werden müssen. In Südkorea und Taiwan haben die Menschen gelernt, mit Viren zu leben. Auch wir müssen und können lernen, mit dem Coronavirus zu leben. Die nächste Epidemie kommt bestimmt. Vielleicht schon nächstes Jahr.

Insbesondere in Europa sind Politiker dabei, die Wirtschaft abzuwürgen, zu versenken. Gigantische Geldsummen („Helikoptergeld“) sollen verteilt, Verstaatlichungen durchgesetzt werden. Die „Planer“ kriechen wieder aus allen Löchern, nicht nur auf der extremen Linken und Rechten, sondern längst auch im Zentrum. Viele haben den gesunden Menschenverstand aus und die Wirtschaft in Teilen bereits abgeschaltet.

Schon vor der Krise war Deutschland unter Kanzlerin Merkel wieder zum Sanierungsfall geworden: Renten, Steuern, Bildung, Infrastruktur, Verteidigung, Banken, Digitales, Energie, etc. Die Themenfelder sind bekannt. Hinzu kommt, dass Europa in schlechter Verfassung ist. Nach der Migrationskrise und dem unsäglichen Brexit hat die Coronakrise den Zusammenhalt der EU nochmals geschwächt. Hinzu kommen die Nullzinsen (Zinsen für Staaten, Unternehmen und Private wiederspiegeln nicht die dahinter liegenden Risiken), Anleihenkäufe und andere gefährliche Aktionen der EZB. Weltweit sind Populisten nicht nur im Vormarsch, sondern an der Macht. Länder brauchen einen starken Staat, doch die Coronakrise ist nicht der Moment für sozialistische und andere staatsgläubigen Experimente.

In Europa ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Es gibt keine „guten“ Lösungen ohne Nebenwirkungen mehr. Ganz ohne Staatshilfen wird es nicht gehen. Doch Mass und Mitte sollten bei der Arznei gewahrt werden. So viele Aktivitäten – nicht nur wirtschaftliche – wie möglich sollten wieder aufgenommen werden, wobei gleichzeitig Vorsichtsmassnahmen wie Abstand halten überall – so in Supermärkten, im öffentlichem Verkehr – durchgesetzt werden müssen. Der mündige Bürger kann nun durch sein Verhalten zeigen, dass er wirklich mündig ist. Die Menschen in Südkorea und Taiwan haben gezeigt, dass dies in Demokratien geht.

Bisher ging die EU aus Krisen – nach Irrungen und Wirrungen – gestärkt hervor. Doch die Spätfolgen der Finanzkrise, die Schuldenwirtschaft, fehlende Solidarität in Migrationsfragen und im Kampf gegen den Coronavirus, der Brexit und der um sich greifende Populismus haben Europa schon stark zugesetzt. Es ist Zeit, dass sich die Vernünftigen nicht nur mehr Gehör verschaffen, sondern sich wieder politisch und wirtschaftlich durchsetzen.

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Das Foto oben zeigt eine Computerdarstellung des SARS-CoV-2 Virus, des aktuellen Coronavirus. Photo Copyright: https://phil.cdc.gov/Details.aspx?pid=23312 . Public domain.

Artikel vom 29. März 2020 um 16:46 deutscher Zeit.

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